Während Brüssel sein CO2-Regelwerk für 2035 feinschleift und Ladebetreiber darum wetteifern, den Kontinent möglichst schnell zu verkabeln, erzählt Lettlands Automarkt leise eine ganz andere Geschichte. Eine aktuelle Analyse der SEB banka zeigt, dass das baltische Land weiterhin von gebrauchten Dieselautos dominiert wird — und dass die Hälfte aller importierten Fahrzeuge nur vier Markenembleme trägt: BMW, Mercedes-Benz, Audi und Volvo. In einem Europa, das angeblich auf Elektro umschwenkt, bleiben die Händlerplätze in Lettland voll mit deutschem und schwedischem Dieselblech.

Das Bild der SEB banka unterstreicht eine eigenständige Kaufkultur. Lettische Käufer lassen neue Budgetmodelle weitgehend links liegen und greifen stattdessen zu gebrauchten Fahrzeugen mit Premium-Emblem — dem deutschen Trio BMW, Mercedes-Benz und Audi, plus Volvo — ein Strom, der die Handelsrouten von Deutschland und Schweden in lettische Häfen und Showrooms in Schwung hält. Für Importeure, Leasingabteilungen und Teilehändler ist diese Konzentration eine strategische Grundtatsache: Wer vier Marken gut bedient, bedient die Hälfte des Marktes.

Der weitere Hintergrund ist stabiler, als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Die Automotive-Beratung Inovev prognostiziert, dass die europäischen Verkäufe von Limousinen und SUVs im Jahr 2035 etwa dort landen werden, wo sie heute stehen — 16,7 Millionen gegenüber 16,9 Millionen im Jahr 2026 — ein Szenario mit stabiler Prognose, aber turbulenter Zukunft, in dem sich die Gesamtzahl kaum bewegt, während sich die Technik darunter komplett wandelt. Der Markt Osteuropas wird auf 3,4 Millionen Einheiten veranschlagt, ein Plus von 0,6 % — ein bescheidener, aber widerstandsfähiger Fortschritt, der den Gebrauchtwagenhandel kommerziell unverzichtbar macht.