Am Stadtrand von Szeged wächst auf der südungarischen Ebene das Stahlgerüst eines der meistbeobachteten Autowerke Europas aus dem Boden — doch die längst zugesagten staatlichen Gelder bleiben formal ein bloßes Versprechen. Die ungarische Regierung hat für den Bau des BYD-Werks in Szeged erhebliche Subventionen zugesagt, doch wie Hungary Today berichtet, wurde bislang kein gültiger Vertrag über die Auszahlung dieser Mittel unterzeichnet. In einem Land, das seine industrielle Zukunft auf ausländisches EV-Kapital gesetzt hat, ist ein ununterschriebener Scheck nie bloß Papierkram.
Diese Wette wurde in der Viktor-Orbán-Ära platziert. Unter dem früheren Regierungschef positionierte sich Ungarn als europäischer Hub der Batterie-Lieferkette und warb Unternehmen aus China und Südkorea an, die dort Werke errichteten, in denen Komponenten für Elektrofahrzeuge vom Band laufen. Wie die Japan Times vergangene Woche berichtete, rollt inzwischen eine Umwälzung nach Orbán durch die ungarische Autoindustrie — und das Subventions-Limbo von Szeged fällt in einen denkbar heiklen Moment.
Die Einsätze reichen weit über ein einzelnes Werk hinaus. Ungarns Wohlstand ist eng mit internationaler Fertigung und europäischen Lieferketten verwoben, und die aktuelle Turbulenz wirft jene Frage auf, die Daily News Hungary zugespitzt formuliert: Wie gut sind ungarische Unternehmen auf die Welt vorbereitet, die gerade Gestalt annimmt? Ein Flaggschiff-Projekt, das auf zugesagte staatliche Unterstützung warten muss, ist genau das Signal, das Investoren — und Zulieferer, die entscheiden, wo ihr nächstes Werk entstehen soll — zu lesen wissen.



