Eine der folgenreichsten Weichenstellungen vor Kroatiens automobiler Haustür kommt nicht von der Modellpremiere eines Autoherstellers – sondern von einer Entwicklungsbank. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) stellt ein Darlehen über 15 Millionen Euro bereit, um die Automobilproduktion in Bosnien und Herzegowina auszubauen; finanziert werden neue Maschinen, Werkzeuge und Produktionsausrüstung im Werk des Empfängerunternehmens. Der Zweck ist dabei so strategisch wie industriell: die Integration des Werks in europäische Automobil-Lieferketten. Dass die Meldung vom kroatischen Wirtschaftsmagazin CorD Magazine aufgegriffen wurde, sagt viel darüber, wie genau die Industrie des Landes ihre eigene Nachbarschaft liest.

Für Kroatien spricht die Geografie für sich. Bosnien und Herzegowina ist unmittelbarer Nachbar des Landes, und jede neue Maschine und Produktionslinie jenseits der Grenze speist dasselbe europäische Zuliefernetz, in dem auch kroatische Lieferanten agieren. Ein ausgebauter Teilehersteller in solcher Nähe bedeutet mehr europäische Komponenten aus der Region – Kapazität, die gestern noch nicht existierte und die europäische Käufer morgen abrufen können.

Das Timing bekommt durch die Politik zusätzliche Schärfe. Im Zuge der 'Made in Europe'-Initiative von Deutschland und Frankreich wären aus Japan importierte Autos von EU-Fördermitteln ausgeschlossen, während Modelle aus Frankreich, Portugal und Osteuropa nur dann profitieren würden, wenn genügend ihrer Teile aus Europa stammen. In dieser Rechnung erhöht die von der EBRD im Westbalkan finanzierte Ausrüstung den Pool an europäischem Inhalt, an dem die Produzenten der Region – Kroatien ausdrücklich eingeschlossen – letztlich gemessen werden.