Brüssel zieht eine neue Grenze quer durch Europas Automarkt, und eine ihrer schärfsten Linien verläuft mitten durch Tschechien. Nach dem sich abzeichnenden EU-Plan „Made in Europe“ wären nur Elektrofahrzeuge, die in der Europäischen Union hergestellt werden, für Subventionen und öffentliche Beschaffungen berechtigt. Aus Japan importierte Autos wären komplett ausgesperrt, während in Frankreich, Portugal und Osteuropa gebaute Modelle profitieren würden — allerdings nur, wenn ausreichend viele ihrer Teile aus Europa stammen.

Dieses „nur wenn“ ist der Dreh- und Angelpunkt, an dem sich Toyotas tschechische Geschichte nun entscheidet. Der Autobauer baut sein Werk in Tschechien aus — ein Schritt, der in einer investitionshungrigen Industrieregion einst als lehrbuchhafte Weitsicht galt. Doch nach der Logik des Entwurfs garantiert eine vergrößerte Montagehalle gar nichts: Entscheidend ist der Anteil europäischer Komponenten, die auf die Bänder fließen. Ein Auto kann mitten im Herzen Mitteleuropas zusammengeschraubt werden und trotzdem leer ausgehen, wenn sein Teilekorb global geprägt ist.

Toyotas Lage ist doppelt prekär. Neben der tschechischen Expansion verkauft der Konzern Autos, die aus Japan und der Türkei importiert werden — Fahrzeuge, die unter dem Plan gänzlich von Subventionen ausgeschlossen wären. Ein Hersteller, der mit einem Bein in beiden Welten steht, in Europa produziert und zugleich auf Importe setzt, sieht sich nun zu einer strategischen Neuberechnung gezwungen: die Lieferkette lokalisieren oder zusehen, wie ein Teil seiner Modellpalette den Zugang zu Kaufprämien und öffentlichen Ausschreibungen verliert.