Der nächste Gewinner des europäischen Local-Content-Wettbewerbs wird womöglich nicht in Paris oder Berlin ausgerufen. Er entsteht vielleicht gerade, Bauteil für Bauteil, in Serbien. Mehr als 500 Unternehmen bevölkern inzwischen den Automobilsektor des Landes, so Marko Čadež, Präsident der Serbischen Handelskammer (PKS) — und wie Čadež betont, ist Serbien in seiner Region der einzige Hersteller von Elektrofahrzeugen, nicht zuletzt dank der Werke von Stellantis. Für ein Land, das selten im selben Atemzug wie Europas Autobau-Hochburgen genannt wird, ist das eine bemerkenswerte Position.
Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein. Deutschland und Frankreich machen sich stark für 'Made in Europe'-Kriterien, nach denen aus Japan importierte Autos keine EU-Subventionen erhalten würden, während Modelle aus Frankreich, Portugal und Osteuropa nur profitieren, wenn genügend ihrer Teile aus Europa stammen. Für globale Zulieferer erhöht der Vorstoß die Kosten und wirft Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit auf. Für Lieferanten mit Kapazitäten auf dem Kontinent — und Appetit auf OEM-Aufträge — klingt das nach etwas ganz anderem: einem strukturellen Rückenwind.
Serbiens Argument ist verblüffend einfach: Fachkräfte zu rund 5 € pro Stunde, eine Komponentenindustrie mit Hunderten Firmen und der Nachweis, dass das Konzept funktioniert. Der erste große Coup gelang dem Land, als ein serbischer Automobilzulieferer einen Vertrag mit einem französischen Automobilhersteller über die Produktion von Komponenten für den europäischen Markt unterzeichnete. In einer Zeit, in der europäische OEMs bald nachzählen müssten, wo jedes Teil seinen Ursprung hat, wirken solche Deals weniger wie Einzelfälle und mehr wie eine Blaupause.



