In Mioveni und Craiova, den beiden Städten, die Rumäniens Autowirtschaft tragen, wird ein einziger Satz aus Brüssel mit ungewöhnlicher Sorgfalt gelesen: Nur Elektrofahrzeuge, die in der Europäischen Union hergestellt werden, sollen für EU-Subventionen und öffentliche Beschaffung infrage kommen. Die Regel, Teil der „Made in Europe“-Offensive der Union, hat Autozulieferer weltweit bereits nervös gemacht – und nicht grundlos. Aus Japan importierte Autos etwa wären für EU-Subventionen gar nicht berechtigt. Rumänien hingegen liegt klar auf der richtigen Seite der neuen Mauer: Jedes Fahrzeug, das aus seinen Fabriken rollt, ist per Definition EU-gefertigt.
Doch die Geografie verschafft nur die Eintrittskarte. Nach dem entstehenden Rahmenwerk profitieren Modelle aus Frankreich, Portugal und Osteuropa nur, wenn ausreichend viele ihrer Teile aus Europa stammen. Das macht die Stückliste für rumänische Hersteller zu einem strategischen Dokument – und rückt die dichte Gemeinschaft der Teilehersteller des Landes ins Zentrum des Gesprächs. Die Frage lautet nicht mehr nur, wo ein Auto montiert wird, sondern woraus es montiert ist.
Die schärfste Reaktion kam aus Tokio. Japanische Automobilhersteller blicken misstrauisch auf die neuen EU-Regeln, berichtete NHK, und ein Medium bezeichnete den Mechanismus unverblümt als „Falle“ für asiatische Elektrofahrzeuge. Für asiatische Marken ist die Rechnung unerbittlich: Die europäische Staatskasse wird für europäische Produktion reserviert. Für Rumänien liest sich dieselbe Rechnung dagegen als Chance – seine Montagelinien liegen innerhalb der Mauer, und Fördermittel, die einst ins Ausland hätten abfließen können, zeigen nun auf sie.



