Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat das CO₂-Minderungsziel für Pkw zurückgeschraubt und dieser Woche vorläufig grünes Licht für die Abkehr vom 2035er-Verbot neuer Verbrenner gegeben. Das Dossier geht nun an die Plenarwoche im Dezember, in der die Abgeordneten aufgefordert werden, die Position zu bestätigen — der Schritt, der dem Parlament das Mandat für die interinstitutionellen Verhandlungen mit dem Rat der EU verschaffen würde. Der Bericht wurde von einem Berichterstatter der Forza Italia betreut — ein Beleg für den politischen Rückenwind hinter dem Umdenken.

Die Abstimmung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Rufe der Industrie nach einer grundlegenderen Neufassung lauter werden. Eine deutsche Automotive-Task-Force drängt auf eine umfassende Überarbeitung der EU-Emissionsregeln und schlägt eine eigene Kategorie für Fahrzeuge vor, die ausschließlich mit biogenen Kraftstoffen und strombasierten synthetischen Kraftstoffen betrieben werden. Bei der EU-Flottenregelung spricht sich die Task Force für Anreize statt strikter Quoten aus — eine direkte Kampfansage an den Compliance-getriebenen Rahmen, der die Produktpläne der Hersteller auf dem gesamten Kontinent geprägt hat.

Hinter dem regulatorischen Dossier steht eine strategische Frage: Kann Brüssel die China-Herausforderung bestehen? Analysten warnen: Verfällt die europäische Industriekapazität ohne kohärente Antwort weiter, wird der Kontinent zunehmend von ausländischen Fahrzeugtechnologien abhängig. Die entscheidende Prüfung für die EU-Politik, so ihr Argument, werde sein, ob sie europäische Hersteller wettbewerbsfähig macht — eine Lesart, die Emissionspolitik mit Industriepolitik verschmilzt.