Audi hat in seinem Produktionslabor in Ingolstadt ein Proof‑of‑Concept gestartet, bei dem mobile humanoide Roboter Teile entnehmen und sequenzieren, wie das Unternehmen und seine Partner am 21. Oktober 2026 mitteilten. Der Versuch vereint Audi, das in München ansässige Agile Robots, Dassault Systèmes und NVIDIA, um zu prüfen, ob KI‑gesteuerte Humanoide das komplexe, hochvariantenreiche Picking bewältigen können, das die Endmontage versorgt.
The test and the technology
Im Production Lab in Ingolstadt entnehmen die mobilen Humanoid‑Systeme von Agile Robots Komponenten aus Materialbehältern und legen sie in der exakt für die Endmontage benötigten Reihenfolge ab – ein Prozess, der laut Audi rund eine Million Picks pro Tag umfasst. Die Partner erstellen einen virtuellen Zwilling des Logistikbereichs mit DELMIA von Dassault Systèmes auf der 3DEXPERIENCE‑Plattform und beschleunigen Simulationen mit NVIDIA Omniverse‑Bibliotheken, bevor ein Roboter auf dem realen Boden eingesetzt wird. Das Projekt läuft bereits, so die Unternehmen, nannte jedoch keinen Zeitplan für eine Serieneinführung, keine Stückzahlen der Roboter oder finanzielle Konditionen.
Agile Robots stellte außerdem auf NVIDIAs GTC Berlin‑Event am 21. Oktober den kompakten Forschungs‑Humanoiden Agile ONE SN vor. Der ONE SN ist vorkonfiguriert mit NVIDIA Isaac GR00T‑Software und NVIDIA Jetson Thor Edge‑Compute; Agile Robots nennt die physischen Spezifikationen der Plattform – etwa 1,4 m Größe, rund 40–43 kg, mit Multiview‑Sensorik, taktilen Fünf‑Finger‑Händen und etwa 31 Freiheitsgraden im Körper – und erklärt, die Forschungsplattform solle die Entwicklung von Manipulationsfähigkeiten vom Labor zur Linie beschleunigen.
Timeline and next steps
Die Partner geben an, den virtuellen Zwilling zu nutzen, um Machbarkeit, Zeitabläufe, Ergonomie und Sicherheit zu testen, bevor Roboter in operative Zonen verschoben werden. Dassault Systèmes’ virtueller Begleiter LEO wird als Werkzeug genannt, das Ingenieursarbeiten während der Validierung von Monaten auf Tage verkürzen soll. NVIDIA beschrieb den Agile ONE SN als Referenz‑Humanoid für die Forschung, mit geplanter Verfügbarkeit Anfang 2027; Agile Robots erklärte, dass auf der kompakten Plattform entwickelte Fähigkeiten auf einen seriennahen industriellen Agile ONE übertragbar seien, sobald dieser verfügbar ist.
Was das für den Markt bedeutet
Für europäische Automobilhersteller und Zulieferer ist der Versuch bedeutsam, weil sich die Teilesequenzierung lange gegen fixe Automatisierung gewehrt hat: Varianten, halbstarre Teile und gemischte Behälter erschweren ein zuverlässiges Picking in hohen Stückzahlen. Audis Ansatz – die Kombination aus virtuellem Zwilling, Simulationsbibliotheken und einem handelsüblichen Humanoid‑Referenzdesign – zeigt einen Weg, um physische Nacharbeiten auf dem Fabrikboden zu reduzieren und bestehende Regalsysteme sowie Materialflüsse zu erhalten, falls die Roboter die erforderlichen Zuverlässigkeits‑ und Sicherheitsstandards erreichen. Dieser Weg ist wichtig für Werke in Deutschland, Mittel‑ und Osteuropa, in denen eine Umrüstung ganzer Linien kostspielig ist und Stillstandsrisiken hoch sind. Das Projekt unterstreicht außerdem die wachsende Nachfrage bei Zulieferern und Werkzeugbau: Simulation, Perzeptionssysteme, taktile Greifer und Safety‑Stacks sind nun zentrale Beschaffungsposten, keine optionalen Extras.
Gleichwohl handelt es sich bei der Ankündigung um ein Labor‑Proof‑of‑Concept und nicht um eine industrielle Ausrollung. Die Partner veröffentlichten keine Leistungskennzahlen, keine stündlichen Pick‑Raten der Roboter und keinen Zeitplan für den Übergang vom Production Lab zu einer Live‑Sequenzierlinie. Eine breitere Einführung in europäischen Werken wird von nachweisbaren Durchsatzsteigerungen, klaren Sicherheitszertifizierungen, Integrationskosten und der Fähigkeit der Humanoid‑Anbieter abhängen, validierte Einheiten in größerer Stückzahl zu produzieren.
Quellen: Audi, NVIDIA Newsroom, Agile Robots
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