Die Angst hat den Schauraum endlich verlassen. Estlands Neuwagenmarkt, der monatelang in Erwartung der Besteuerung eingefroren war, hat einen unerwarteten Sprung hingelegt: In den ersten zehn Monaten des Jahres wurden 16.384 Neuwagen zugelassen — eine deutliche Erholung, die nur wenige in der baltischen Branche kommen sahen. Die Steuer blieb im Gesetz — die Panik, so scheint es, nicht. Käufer, die einst gezögert hatten, sitzen wieder an den Tischen der Händler, und Estlands Automobilsektor spürt das Tauwetter.

Was den Aufschwung so auffällig macht, ist die Stimmung, in der er stattfindet. Estlands Verbraucher sind tatsächlich pessimistischer geworden, doch der Handelssektor — Autohändler ganz ausdrücklich eingeschlossen — verzeichnet mit +23 den stärksten Konfidenzwert der gesamten Wirtschaft, während der Dienstleistungssektor bei +2,7 und die Industrie bei +3,5 liegt — alles im Vergleich zum September gestiegen. Klartext: Die Leute, die Autos verkaufen, sind optimistischer als die Leute, die sie kaufen — und die Käufer kaufen trotzdem. Für einen Markt, der lange von Vorsicht geprägt war, ist das eine leise, aber bedeutsame Wende.

Im größeren Einzelhandelsgesamtbild gibt es allerdings eine kuriose Besonderheit: Das Wachstum des Einzelhandelsumsatzes schwächte sich im September ab, da der Umsatz mit Kraftstoff erstmals seit fast zwei Jahren zurückging, wie Statistics Estonia meldet. Mehr Neuwagen rollen aus den Schauräumen, doch weniger Geld fließt an der Zapfsäule — eine Kombination, die darauf hindeutet, dass Estlands Konsummotor ungleichmäßig läuft, und eine, die Handelsanalysten im letzten Quartal des Jahres genau beobachten werden.