Lettlands Hafensektor richtet den Kompass gen Westen. Vom 3. bis 6. November reisen Vertreter lettischer Häfen und Unternehmen nach Dünkirchen in Frankreich — im Rahmen einer Handelsmission, organisiert von der Investitions- und Entwicklungsagentur Lettlands (LIAA). Die Agenda ist eindeutig: Kooperationen ausbauen und mit neuen Investitionen und Geschäftspartnern heimkehren.
Für eine kleine Handelsnation an der Ostsee sind Häfen mehr als Infrastruktur — sie sind die Arterien der Wirtschaft. Die Wahl Dünkirchens, einer französischen Hafenstadt mit eigenem stattlichem maritimen Erbe, signalisiert den Ehrgeiz, Handelsbrücken weit über den Ostseeraum hinaus zu schlagen. Für lettische Akteure würden französische Kapitalzuflüsse oder Geschäftsbeziehungen neue Allianzen innerhalb einer der größten Volkswirtschaften der EU bedeuten.
Daheim derweil erzählt der Fahrzeughandel eine vertrautere Geschichte. Das Bild der Spezialisten von der SEB banka zeigt einen lettischen Markt, der weiterhin von gebrauchten Dieselautos dominiert wird — und eine markante Konzentration an der Spitze: Die Hälfte aller importierten Autos stammt von nur vier Marken — BMW, Mercedes-Benz, Audi und Volvo. Lettlands Importpipeline ist also premium, gebraucht und dieselbetrieben.
Der Einzelhandel liefert dazu einen spannenden Kontrapunkt. Frisch veröffentlichte Zahlen zeigen den Einzelhandel im Jahresvergleich im Plus: Die Lebensmittelmengen legten um 0,3 Prozent zu, Non-Food-Produkte — Kraftstoff ausgenommen — sprangen um kräftige 9,3 Prozent. Kraftstoff jedoch schwamm gegen den Strom und fiel um 0,8 Prozent. Die Verbraucher geben selbstbewusst aus, obwohl sie weniger tanken — ein leises Signal, das in einem Markt, in dem Diesel die Straßen beherrscht, im Blick behalten werden sollte.



