Das große europäische LKW-Comeback wird nicht aus Brüssel, Stuttgart oder Paris angetrieben — es kommt aus dem Osten. ACEA-Daten zeigen, dass sich der LKW-Markt des Kontinents wieder erholt, und Litauen, Polen und Rumänien ragen als klare Wachstumsführer Osteuropas heraus. Für Litauen, das kleinste Land dieses Trios, ist das eine bemerkenswerte Position: ein kompakter baltischer Markt, der in der ersten Reihe der europäischen Nutzfahrzeug-Nachfrage sitzt, während sich ein Großteil des alten Kerns des Kontinents mühsam in den Vorwärtsgang hangelt.

Die ACEA-Zahlen zeugen nicht von einem einzigen europaweiten Boom. Stattdessen zeigen sie eine ungleichmäßige Erholung, geprägt von der Finanzlage jedes Landes — und Großbritannien wird dabei deutlich abgehängt. Die Botschaft an die Branche ist unmissverständlich: Wo die Bilanzen es hergeben, bestellen die Flotten; wo die Kassen knapp sind, bleiben die Auftragsbücher dünn. Für Händler, Finanzierer und Logistikunternehmen hat die Nachfragekarte Europas selten so unausgewogen ausgesehen — und so günstig für den Osten.

Für Europas angeschlagene Hersteller käme dieser östliche Schwung kaum gelegener. Die Quartalszahlen haben den europäischen Autowerten zuletzt etwas Aufatmen verschafft, doch der strategische Druck lässt nicht nach: Chinesische Marken erobern im In- und Ausland zu viel Marktanteil, als dass Anleger absehen könnten, wo die Untergrenze liegt — und Volkswagen, Stellantis und Renault, unter Druck durch günstige chinesische Importe, haben in Brüssel um Entlastung nachgesucht. Vor diesem Hintergrund liest sich ein Nutzfahrzeugmarkt, der in Litauen, Polen und Rumänien am schnellsten wächst, als eine der wenigen Nachfragegeschichten, auf die sich die europäische Industrie wirklich verlassen kann.