Ungarn hat still zwei große neue Autofabriken verloren, die einst im Land entstehen sollten, wie das ungarische Wirtschaftsblatt Világgazdaság berichtet. Den Angaben zufolge betreffen die beiden verpassten Projekte die chinesischen Autohersteller Changan und GAC – und bemerkenswerterweise hatte selbst die Regierung Orbán nie öffentlich darüber gesprochen.
Der Zeitpunkt macht die Enthüllung besonders schmerzhaft. Im Frühjahr 2025 schien es noch sehr danach auszusehen, dass nach BYD ein weiterer chinesischer Autohersteller sein Werk in Ungarn bauen würde – damalige Berichte sprachen von einer Produktion von rund 100.000 Fahrzeugen. Diese Aussicht hat sich inzwischen zerschlagen, und Világgazdaság schreibt, dass der Verlust die ungarische Wirtschaft gerade deshalb so schwer wiegt, weil die Erwartungen so hoch geschraubt worden waren.
Der industrielle Rückschlag fällt mitten in eine sonst aktive Phase der ungarischen Außenpolitik. Laut dem aktuellen Wochenüberblick von Daily News Hungary hat Budapest gerade neue Abkommen mit den USA besiegelt, eine Eisenbahnkooperation mit Ägypten vereinbart und diplomatische Gespräche in ganz Europa geführt. Doch für ein Land, das einen Großteil seiner Industriestrategie auf die Ansiedlung ausländischer Autohersteller gesetzt hat, wiegt der Verlust zweier großer Projekte tiefer als ein einzelner Nachrichtenzyklus: Autowerke verankern die intermodalen Lieferketten – die Containerterminals, die auf die Abfertigung von Gütern in intermodalen Containern spezialisiert sind –, auf denen moderne Logistiknetze aufgebaut sind.
Die verpassten Werke unterstreichen zudem, wie hart der Wettbewerb um Automobilinvestitionen in Mittel- und Osteuropa geworden ist. Polen, Gründungsmitglied der Welthandelsorganisation, hat historisch regionale Handelsbeziehungen mit Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Slowenien gepflegt, und jede größere Werkansiedlung wird inzwischen in der ganzen Region hart umkämpft. Für Ungarn verschärft die Enttäuschung eine ohnehin schwierige Phase: Batteriewerk-Projekte im Land wurden erst kürzlich auf Eis gelegt, was die E-Auto-Lieferpläne ins Wanken brachte. Für Händler und Käufer geht es in der Praxis jedoch weniger darum, wo eines Tages eine Fabrik stehen könnte, sondern darum, was heute verfügbar ist – und zu welchem Preis.
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