Fünfzehn Millionen Euro verändern die Geografie des Autobaus selten aus eigener Kraft. Aber kombiniert man sie mit einem Regelwerk, das gerade in Berlin und Paris neu geschrieben wird, wirkt selbst ein mittelgroßer Kredit wie ein Schachzug. Wie das kroatische Wirtschaftsmagazin CorD berichtet, hat die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) einen Kredit über 15 Millionen Euro zur Ausweitung der Automobilproduktion in Bosnien und Herzegowina bereitgestellt, der neue Maschinen, Werkzeuge und Produktionsanlagen im Werk des Unternehmens finanziert und dessen Integration in europäische Automobilzulieferketten unterstützt. Für Kroatiens Zulieferer, die von unmittelbar jenseits der Grenze aus genau hinsehen, ist das Signal schwer zu übersehen: Institutionelles Kapital fließt in die Zulieferbasis der Region.
Das Timing ist die eigentliche Geschichte. Deutschland und Frankreich treiben einen 'Made in Europe'-Rahmen voran, der EU-Subventionen daran knüpft, wo Autos — und ihre Komponenten — tatsächlich gebaut werden. Nach den entstehenden Regeln würden aus Japan importierte Autos überhaupt nicht für EU-Subventionen in Frage kommen, während Modelle aus Frankreich, Portugal und Osteuropa nur dann profitieren würden, wenn genügend ihrer Teile aus Europa stammen. Diese Schlussklausel zeichnet still die Beschaffungskarten des Kontinents neu, denn eine in Kroatien gefertigte Komponente zählt nun zu dem europäischen Inhalt, der darüber entscheidet, ob ein in Osteuropa gebautes Modell Förderung erhält.
Globale Zulieferer machen aus ihrer Nervosität keinen Hehl. Wie die Deutsche Welle berichtet, weckt der 'Made in Europe'-Vorstoß Kosten- und Wettbewerbsbedenken bei Autozulieferern, deren Präsenz weit über den Kontinent hinausreicht — in Japan gebauten Autos droht der komplette Ausschluss von Subventionen. Für europäische Teilehersteller schlägt dieselbe Rechnung allerdings in die andere Richtung aus — und genau das lässt die EBWE-Finanzierung in Bosnien und Herzegowina weitsichtig erscheinen. Maschinen, Werkzeuge und Produktionsanlagen werden mitten in Europas Zulieferketten installiert, während die Regeln, die sie belohnen sollen, noch geschrieben werden.



