In Estlands Autohäusern herrscht wieder Betrieb – und das haben wenige kommen sehen. Nachdem die Fahrzeugsteuer Kaufinteressenten lange zögern ließ, hat der Markt einen unerwarteten Sprung hingelegt: 16.384 Neuwagen wurden in den ersten zehn Monaten des Jahres zugelassen – das bestätigt, was lokale Beobachter als aktive Erholung beschreiben. Die Steuer gilt nach wie vor. Die Angst hingegen hat sich offenbar still und leise verabschiedet.
Diese psychologische Wende wiegt so schwer wie die nackten Zahlen. Was einst wie eine dauerhafte Abkühlung der estnischen Nachfrage aussah, liest sich heute als Pause vor dem Aufschwung: Die Käufer haben die Mehrkosten offenbar verdaut und kehren mit offenem Portemonnaie in die Autohäuser zurück. Für Importeure, Händlergruppen und Finanzhäuser liegt die Lehre auf der Hand – die estnische Autonachfrage erweist sich als weit widerstandsfähiger, als es die düstersten Schlagzeilen der Steuerdebatte je vermuten ließen.
Doch die Erholung legt hinter dem Schaufenster eine Schwachstelle offen. Autohändler im ganzen Land beklagen, dass es tatsächlich schwierig geworden ist, gute, fachkundige Spezialisten für ihre Reparaturwerkstätten zu finden – und Berufsschulabsolventen schließen die Lücken nicht. Jedes heute ausgelieferte Neufahrzeug bedeutet morgen eine stetige Folge von Service-Terminen – und Estlands Aftersales-Kapazität kommt genau dann an ihre Grenzen, wenn die Neuwagen-Zahlen anziehen.



