Der nächste Boom der Elektroautos zündet nicht in Berlin, Oslo oder Amsterdam. Eine diese Woche veröffentlichte Studie zeigt, dass Europa die Kosten für die Vorbereitung seiner Stromnetze auf Elektroautos um beachtliche 40 Prozent senken könnte — einfach dadurch, dass die Fahrzeuge intelligent und nicht alle gleichzeitig geladen werden. In derselben Forschungsarbeit verbirgt sich eine leisere Schlagzeile, die für diese Region weit mehr bedeutet: Die schnellste Verbreitung von Elektrofahrzeugen wird für Osteuropa prognostiziert, wenn auch von einer niedrigeren Ausgangsbasis aus. Für die Ukraine, die mitten in dieser Wachstumszone liegt, lautet die Frage nicht mehr, ob die Welle der E-Autos ankommt, sondern ob das Netz klug genug ist, sie zu reiten.
Die Rechnung hinter den 40 Prozent ist entwaffnend einfach. Intelligentes Laden — das Lenken der Fahrzeugladung weg von Spitzenlastzeiten und die Verteilung der Last über den Tag — erspart den Versorgern die teuersten Netzverstärkungen und drückt die Rechnung für europäische Städte um bis zu zwei Fünftel. Der größte Investitionsbedarf fällt dort an, wo die Elektroflotten bereits unterwegs sind: Deutschland vorweg, gefolgt von Norwegen, Belgien und den Niederlanden. Das Paradoxon im Kern der Studie: Das Geld braucht der Westen, während der Schwung nach Osten zeigt.
Für Märkte, die von dieser niedrigeren Basis starten — die Ukraine gehört dazu —, liest sich das Ergebnis weniger als Warnung denn als Spielanleitung. Wachstum, das noch nicht stattgefunden hat, lässt sich noch formen: Ladeverhalten, Tarifgestaltung und Netzausbau können von Tag eins an klug aufgebaut werden, statt später zu Höchstpreisen nachgerüstet zu werden, wie es reife Märkte inzwischen gezwungen sind. Und wo Regulierer einen Schritt weitergegangen sind und das Laden als lizenzfreie Tätigkeit eingestuft haben, hat die Beteiligung des Privatsektors den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur beschleunigt — der Beweis, dass Regeln, nicht nur Euro, bestimmen, wie schnell die Stecker erscheinen.



