Die A1 ist Kroatiens Sommerader — das Asphaltband, über das die Tourismussaison von Zagreb Richtung Küste fließt. Seit dem 31. Oktober transportiert sie auch etwas Neues: ordentlichen Strom. Ultraschnelllader für E-Autos wurden an den Autobahnen A1 und A3 in Betrieb genommen, und einzelne Ladepunkte liefern bis zu 400 kW — Leistung, die aus einem Kaffeestopp am Straßenrand eine spürbare Ladung für ein modernes Elektroauto macht.

Für den Ausbau zeichnet Petrol verantwortlich: Der Energiekonzern hat die neuen Ladepunkte an beiden Korridoren in Betrieb genommen und damit auf einer der wertvollsten Lade-Immobilien Südosteuropas die Fahne gehisst. Die strategische Logik liegt auf der Hand: Wer den Korridor kontrolliert, kontrolliert den Kunden — und Kroatiens Autobahnen schlucken einen der stärksten saisonalen Verkehrströme der Region. Auch das Timing ist bezeichnend: Gerade zum Saisonende in Betrieb genommen, werden die neuen Ladeflächen still eingefahren und sind einsatzbereit, wenn im nächsten Sommer die Fahrzeugwelle gen Süden rollt.

Der regulatorische Hintergrund erklärt das Tempo des Ausbaus: Wo Laden als deregulierte Tätigkeit gilt, wird die Privatwirtschaft freigeschaltet und öffentliche Infrastruktur entsteht schneller — eine Dynamik, die inzwischen auf kroatischem Asphalt sichtbar wird. Dort ist der Lademarkt zum offenen Terrain für Energiehändler, Telekomunternehmen und Supermarktketten geworden, die im Wettlauf ihre Ansprüche abstecken.

Autobahnen sind dabei nur eine Front. Hrvatski Telekom betreibt bereits Ladepunkte an Tommy-Supermärkten — ein Spielbuch, das eleports europäischer Preisreport weit über Kroatien hinaus ausmacht: Migros in der Schweiz und Continente in Portugal machen denselben Job, höchstwahrscheinlich, weil sie die Parkplätze und Netzanschlüsse ohnehin schon haben. Die Lehre für die B2B-Runde ist ungeschönt: Laden wird zum Retail-Geschäft, Standort für Standort gewonnen — auf Grundstücken, die die Etablierten längst besitzen.