Polen macht mit dem europäischen Lkw-Markt, was seine Spediteure schon lange mit den Autobahnen des Kontinents machen: Es gibt das Tempo vor. Die Lkw-Neuzulassungen in der EU stiegen in den ersten neun Monaten 2026 um 8,5 % — Polen aber wuchs um 19,5 %, mehr als doppelt so stark wie der EU-Durchschnitt, wie Daten von trans.info zeigen. Die Zahlen deuten darauf hin, dass sich die Nachfrage nach neuen Fahrzeugen in Teilen Mittel- und Osteuropas schneller erholt als in mehreren der größten Volkswirtschaften Westeuropas — und Polen sitzt fest am Steuer.
Das Ausmaß der polnischen Leistung zeichnet die herkömmliche Landkarte der europäischen Güternachfrage neu. Die Erholung fällt auffallend ungleich aus — trans.info fragt in seiner Analyse pointiert, warum Großbritannien abgehängt wird — und diese Asymmetrie wiegt weit mehr als die Zulassungsstatistik. Sie bestimmt, wohin die Hersteller ihre Auftragsbücher lenken, womit die Händler ihre Höfe füllen und worauf die Flottenfinanzierer in den kommenden Quartalen setzen.
Eine auffällige Einschränkung gibt es allerdings: die Elektrifizierung. Der Absatz von Elektro-Lkw blieb auf Westeuropa konzentriert — Polens Boom wird also nach wie vor überwiegend von konventionellen Antrieben getragen. Vorerst liegt das Volumen im Osten, während die Pilotmärkte für E-Lkw im Westen liegen — eine Spaltung, die das Rennen um die Ladeinfrastruktur der Region völlig offen lässt und den Lieferanten klassischer Antriebstechnik eine längere Startbahn verschafft, als viele in der Branche vorhergesagt hatten.



